Wer sich bei Swisscom für eine Lehrstelle bewirbt, muss ab Anfang August kein Schulzeugnis mehr einreichen. Swisscom will mit einem neuen Bewerbungsprozess die Menschen und ihre Fähigkeiten ins Zentrum stellen. Warum und wie der Prozess funktioniert, weiss Marc Marthaler, Head of Next Generation.

Portrait Marc Marthaler

Swisscom stellt den Bewerbungsprozess für Lernende völlig um. Statt ein ausführliches Dossier einzureichen werden neu die Bewerbenden an einen sogenannten NEX-Day eingeladen. Wieso?

Auf 250 Lehrstellen hatten wir in den letzten Jahren jeweils 8000 Bewerbungen. Wir haben also einerseits sehr viele Bewerbende mit einer Absage enttäuscht und standen andererseits immer vor der Frage: Wer von diesen 8000 Personen passt am besten zu unserem innovativen Ausbildungsmodell, das auf einen internen Projekt-Marktplatz baut und dadurch eine sehr grosse Selbststeuerung verlangt? Diejenigen mit den besten Noten? Diejenigen mit dem besten Dossier? Hier gab es auch Vergleichsprobleme: Je nach Kanton, nach Gemeinde, nach Schule und Lehrperson ist die Ausgangslage für eine Note oft unterschiedlich. Das gleiche beim Dossier: Die eine Schülerin hat vielleicht talentierte Eltern, die ihr die Erstellung des Dossiers abnehmen – der andere Schüler ist völlig auf sich allein gestellt. Wir wollen nicht, dass uns Talente durch die Lappen gehen und haben deshalb das ganze Auswahlverfahren von Grund auf neu gebaut. Das Ziel ist, den Menschen ins Zentrum zu stellen und nicht Dossiers zu analysieren.

Wie konkret läuft das ab?

Zu Beginn testen wir das neue System in der Deutschschweiz. Bei der Bewerbung beantworten die Interessent*innen mehrere Fragen in einem Videotool. Die Antworten werden im Anschluss von mindestens zwei Personen unabhängig und nach definierten Kriterien beurteilt. Auf dieser Grundlage werden passende Bewerber*innen an den NEX-Day eingeladen, beziehungsweise an einen Junior Experience Day im Swisscom Shop für Interessierte an einer Lehrstelle im Detailhandel. Am NEX-Day bearbeiten sie verschiedene Aufgaben mit mehreren Rekrutierungspersonen. So gibt es ein Einzelgespräch, eine Aufgabe im Team oder eine spezifische Aufgabe entlang des gewählten Lehrberufes. Statt anhand eines theoretischen Dossiers lernen wir die jungen Menschen in unterschiedlichen, alltagsnahen Kontexten kennen.

Und die schulische Leistung zählt gar nicht mehr?

Das ist so, Schülerinnen und Schüler werden bei uns ab sofort rekrutiert, ohne dass wir ihre Noten kennen. Denn die Erfahrung hat uns gelehrt, dass Noten ein Zerrbild vermitteln können.

Kontaktieren Sie uns

Media Relations

media@swisscom.com
Tel. +41 58 221 98 04

Aktuelle Meldungen zu Swisscom