Mission-Critical-Datenübertragung

Sicherheitsfunk

Mission-Critical-Datenübertragung: Was steckt dahinter?

Viele Firmen haben betriebskritische Daten, die ganz spezielle Aufmerksamkeit verdienen. Mit einer sicheren Punkt-zu-Punkt-Datenverbindung über die Luft werden diese wertvollen Daten End-to-End verschlüsselt und praktisch in Echtzeit übertragen. Jürg Stäuble, Account Manager im Sicherheitsumfeld bei Swisscom Broadcast, im Interview.

Was versteht man unter Mission-Critical Daten?

Viele Firmen verfügen über betriebskritische Daten, die um keinen Preis verloren gehen dürfen und gleichzeitig sehr schnell und sicher übertragen werden müssen. Das kommt in den unterschiedlichsten Branchen vor: zum Beispiel bei Blaulichtorganisationen, aber auch bei Börsen, Banken oder Industrieunternehmen. Nehmen wir das Beispiel Börse: Hier will man die Marktinformationen möglichst schnell mit anderen Standorten teilen, jeder Zeitverlust kann einen Wettbewerbsnachteil bringen. Eine äusserst schnelle und zudem sichere Form der Datenübertragung ist Richtfunk. Mit einer Punkt-zu-Punkt-Datenverbindung über die Luft, die zudem End-to-End verschlüsselt ist, kann man Informationen fast ohne Latenz – also praktisch in Echtzeit – übertragen.

Wie funktioniert das?

Der Richtfunk nutzt Radiowellen für eine drahtlose Datenübertragung von einem definierten Ausgangspunkt zu einem definierten Zielpunkt. Auf Englisch nennt man das "point-to-point", also Punkt-zu-Punkt. Dazu braucht man spezielle Antennen, die wie riesige Teller aussehen und hoch oben an Sendemasten montiert sind. Diese Parabolantennen bündeln die elektromagnetische Energie und leiten sie in die gewünschte Richtung. Der Rundfunk, zum Beispiel für TV oder Radio, funktioniert genau anders: Die Sendeleistung erfolgt dort in einem Kreis rund um die Antenne. Das Besondere beim Richtfunk ist, dass es eine vergleichsweise niedrigere Sendeleistungen benötigt. Ausserdem kann man dank der Richtwirkung die gleichen Funkfrequenzen oder Funk-Frequenzkanäle für mehrere Richtfunkrichtungen nutzen.

Bedeutet Punkt-zu-Punkt, dass Ausgangs- und Zielort optisch sichtbar sein müssen?

Das ist tatsächlich so. Als Beispiel: Die Parabolantennen auf dem Sendestandort Bantiger bei Bern sind präzise so ausgerichtet, dass eine genau Richtung Chasseral im Jura zeigt, eine andere auf den Uetliberg bei Zürich. Es ist im Grunde dasselbe wie im Mittelalter mit den Höhenfeuern: Die Distanzen zwischen den Standorten betragen viele Kilometer, aber solange sie optisch verbunden sind, können sie kommunizieren. Angenommen, jemand würde ein Laken vor der Antenne aufspannen, wäre die Verbindung sofort unterbrochen.

Und kommt das vor?

Nein, zum Glück nicht. Die Sendestandorte werden nur an den Orten gebaut, wo man eine möglichst gute und weite Sicht hat – genau wie früher bei den Signalfeuern. Kein anderer Berg in unmittelbarer Nähe sollte höher sein. Hinzu kommt, dass die Richtfunkspiegel hoch oben an der Antenne montiert werden. Es kann also auch kein Baum so hoch wachsen und die Sicht versperren – geschweige denn, dass jemand ein Bettlaken in dieser Höhe zum Trocknen aufhängt.

Bild vom Sendeturm auf dem Bantiger

Wie funktioniert eine Datenübertragen zwischen zwei Orten, die optisch nicht verbunden sind? Sagen wir Hamburg und Mailand?

Dann ist es so ähnlich wie beim Telefonspiel, das wir als Kind gespielt haben: Ein Sendemast schickt das Signal zum nächsten, bis es in Mailand ankommt. Aber ganz anders als beim Telefonspiel bleiben alle Informationen erhalten und es passiert innerhalb von wenigen Millisekunden.

Man könnte auch einfach ein Mail schreiben, das ginge einfacher…

Richtfunk hat viele Vorteile gegenüber anderen Technologien. Die extrem kurze Übertragungsdauer habe ich ja bereits erwähnt, ebenso die End-to-End Verschlüsselung. Bei E-Mails läuft das anders: Diese wird über die TCP/IP-Technologie des Internets übertragen und ist deswegen nicht vor "Lauschangriffen" geschützt. Werden Daten aber über eine Richtfunkstrecke gesendet, dann gehört diese Datenverbindung ausschliesslich dem Besitzer und keiner kann darauf zugreifen. Das macht die Datenübertragung sehr sicher bei vergleichsweisen tiefen Kosten. Ausserdem profitieren die Unternehmen von einer hohen Verfügbarkeit von 99.995%. Es stehen verschiedene Bandbreiten und Frequenzen bis 80 GHz zur Verfügung, man kann also gemäss den eigenen Bedürfnissen das nutzen, was am besten passt.

Wie gelange ich als Unternehmen zu so einem Richtfunknetz?

Technisch gesehen kann eine Richtfunkstrecke an jedem Standpunkt errichtet werden. Swisscom Broadcast besitzt selbst viele Sendestandorte in der Schweiz, die wir unseren Kunden zur Mitbenutzung anbieten. Wir unterstützen sie von der Planung bis zum Bau und Betrieb ihrer Richtfunkanlage. Wir kümmern uns sogar um die BAKOM-Konzession und die Baubewilligung für unsere Kunden. Sie erhalten also alles aus einer Hand: Planung, rechtliche Abklärungen, Bau, Monitoring und Unterhalt. Ausserdem kümmern wir uns um das Incident Management: Wenn eine Störung auftreten sollte, steht unser Network Management Center (NMC) rund um die Uhr zur Verfügung. Und da unsere sieben Ersatzteillager in der ganzen Schweiz verteilt sind, können sich unsere Kunden auf ein eingespieltes und effektives Service-Team verlassen. Nach der Inbetriebnahme überwachen wir ihr Funknetz mit unserem Monitoring-Tool Altravis. Im NMC analysieren wir zudem die Verfügbarkeit und Fehlermeldungen der Richtfunkinstallation und stellen unseren Kunden den Bericht inklusive Visualisierungen zur Verfügung.

Ihr Ansprech­partner

Jürg Stäuble

Jürg Stäuble

Head of Radio Communications

Tel. +41 58 223 34 65

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